Frauen von den Freien Wählern Calw sind dabei.

Seminar Frauen in der Kommunalpolitik am 16.02.2019 in Karlsbad Ittersbach

Es gibt sie tatsächlich, Frauen die sich für die Kommunalpolitik stark machen. So folgten Siegrid Bantel und Petra Engelland von den Freien Wähler Calw der Einladung von Frau Christmann (Freie Wähler), Ortsvorsteherin der Gemeinde Ittersbach und Mitglied im Gemeinderat. Teilnehmerinnen waren Frauen, die bereits im Gemeinderat oder Ortschaftsrat aktiv sind, oder solche die sich das 1. Mal aufstellen lassen oder noch mit der Entscheidung im Zweifel sind. Gastrednerinnen waren, Silke Höflinger, seit 15 Jahren Bürgermeisterin von Walddorfhäslach, eine echte Mut Macherin und Isabell Rathgeb, Leiterin des Unternehmens „Die Marketingmühle“ in Ittersbach, Mutter von 3 Kindern und Mitglied im Gemeinderat. Zu Beginn wurden ernüchternde Zahlen vorgestellt.

  • Der Frauenanteil im Gemeinderat liegt in Baden Württemberg bei nur 24%
  • 19% im Kreistag und 25% im Landtag
  • 7% Ober-Bürgermeisterinnen und 8% Bürgermeisterinnen
  • 9% Landrätinnen

à Baden-Württemberg ist Schlusslicht bzgl. Politischer Partizipation von Frauen.

  • In mehr als ¾ aller Kommunen: weniger als 24% Frauen
  • 3 von 1.101. Kommunen haben 50% Frauen
  • 22 von 1.101 Kommunen in BaWü sind komplett ohne Frauen

(Quelle: Der lange Weg zu 50% von Sabine Schlager, Basis: Kommunalwahlen 2014)

Was hindert uns Frauen daran, solche Ämter zu bekleiden? In der gemeinsamen Diskussion kamen folgende Aussagen:

Frauen, möchten etwas 100%ig machen und sind mit ganzem Herzen bei der Sache. Wir nehmen uns alles mehr zu Herzen. Wenn Männer eine Meinung haben, dann sind sie oft schwer davon abzubringen. Wir Frauen wollen auch andere Meinungen hören und möglichst Kompromisse finden. Wir haben gelernt zu vermitteln – als Mütter, Ehefrauen, Frauen in der männlich dominierten Arbeitswelt und wir haben gelernt, uns anzupassen und nicht zu laut zu sein. Wenn wir etwas nicht verstehen und Fragen stellen, schaut uns die Männerwelt oft verächtlich an. Männer haben eine wunderbare Begabung so zu tun, als wenn sie alles verstehen.

Doch Frauen sind sehr wohl ehrenamtlich engagiert und zwar im täglichen Leben als Elternvertreterinnen im Kindergarten, in den Schulen, im Kita-Ausschuss, als Trainerinnen im Sportverein oder als Helferinnen in der Flüchtlingsinitiative. Aber interessant ist, dass die Elternbeiratsvorsitzenden oft wieder Männer sind. Warum? Trauen sie die Führungsrolle eher einem Mann zu als einer Frau? Warum gibt es selten weibliche Vorstände in den Sportvereinen?

Warum engagieren sich bisher so wenige Frauen in der Kommunalpolitik? Viele denken, dass sie den Themen nicht gewachsen sind. Haushalt, Bauausschuss, damit hatten viele Frauen wenig zu tun (Männer auch nicht, aber die können es natürlich trotzdem). Andere sagen, sie hätten keine Ahnung von Politik. Um zu vermeiden, dass sie erst mal völlig inkompetent dastehen und viele Fragen stellen müssen, die vielleicht von den „alten Hasen“ eher von oben herab beantwortet werden, setzen sie sich dieser Situation lieber erst gar nicht aus. Und manch eine sagt auch ehrlich, dass sie viele Themen auf der Tagesordnung nicht interessieren. In diesem Seminar haben Frauen berichtet, wie sie sich in die verschiedenen Themen eingearbeitet haben und manch eine ist inzwischen ein richtiger Profi in Themen, von denen sie vorher nicht viel Ahnung hatten.

Wenn ­Frauen sich für ein Amt nicht engagieren wollen, stellen sich eben mehrheitlich Männer zur Wahl. Doch es geht nicht darum, Männer durch Frauen zu ersetzen. Wir wissen alle, dass in Gremien, in denen Frauen mitwirken, meistens eine andere Grundstimmung herrscht, als wenn nur Männer anwesend sind.  Frauen beleuchten viele Dinge nochmal von einer ganz anderen Seite. Denn  in Wirklichkeit sind es die Frauen, die wissen, wie die Dinge in der Stadt oder Kommune laufen. Sie sind diejenigen, die die Kinder zur Musikschule, Mutter-Kind-Gruppe, zum Ballettunterricht, usw. begleiten, sie pflegen ihre Angehörigen, sie kaufen ein, sie bewegen sich tagtäglich da, worüber die Gremien auch Entscheidungen treffen.

Männer und Frauen bilden zusammen unsere Gesellschaft, daher sollten wir auch gemeinsam unser Leben gestalten! Denn mit Frauen profitieren die Gremien von der Erfahrung, Meinung und Sichtweise der Hälfte der Bevölkerung und mit Frauen gibt es noch mehr Freude und Spaß am gemeinsamen Miteinander. Wir Frauen werden oft gefragt, wie schaffst du das nur alles. Haus, Kinder, Arbeit, Mann und dann noch soziales und ehrenamtliches Engagement. Doch es geht. Vor allem dann, wenn man Spaß daran hat und etwas Gutes zurückbekommt Es gibt auch viele starke Männer, die ihre Frauen ermutigen sich zu engagieren und sie uneingeschränkt darin unterstützen. Dass starke Männer meistens starke Frauen hinter sich stehen haben, ist ja schon lange bekannt.

Weiterhin wurden in dem Seminar noch die Aufgaben der einzelnen Räte vorgestellt (Gemeinderat, Ortschaftsrat). Eine weitere Präsentation hat sich damit beschäftigt, wie Frau ihre Themen im Gemeinderat präsentiert.

Alles in allem ein gelungener Tag, informativ und Mut machend.

Das Bild, das uns zum Abschluss auf den Weg mitgegeben wurde war folgendes:

„Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann“.

 



 


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